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Recruiting-Ratgeber · 5 Minuten Lesezeit

Recruiting ohne Personalabteilung: ein machbarer Ablauf für KMU

Wenn Geschäftsführung, Büro und Fachbereich nebenbei einstellen, braucht es klare Zuständigkeiten. Ein Beispiel für ein Unternehmen mit 25 Beschäftigten – mit Wochenplan und Vertretungsregel.

Von ReclyraAktualisiert am

Wer übernimmt Recruiting, wenn niemand dafür freigestellt ist?

In einem kleinen Unternehmen kümmert sich häufig das Büro um eingehende Bewerbungen, während die Geschäftsführung entscheidet und der Fachbereich Gespräche führt. Das kann funktionieren. Schwierig wird es, wenn alle aufeinander warten: Der Lebenslauf wurde weitergeleitet, aber niemand fühlt sich für die Rückmeldung verantwortlich. Der erste Schritt ist deshalb eine klare Aufgabenverteilung pro Stelle.

Das folgende Beispiel ist ein Vorschlag für einen Betrieb mit 25 Beschäftigten, der eine Person für den Kundenservice sucht. Es ist kein vorgeschriebener Standard und setzt keine eigene HR-Abteilung voraus. Passt Rollen und Zeitaufwand an euren tatsächlichen Eingang an. Wenn eine Person mehrere Rollen übernimmt, sollten die Aufgaben trotzdem getrennt beschrieben werden.

Drei Rollen und eine Vertretung festlegen

Das Büro hält den Vorgang in Bewegung: Eingang kontrollieren, Unterlagen zuordnen, Rückfragen versenden und Termine abstimmen. Die fachlich verantwortliche Person prüft die für den Kundenservice nötigen Erfahrungen und bereitet das Gespräch vor. Die Geschäftsführung klärt den Stellenrahmen und trifft mit dem Fachbereich die Entscheidung. Benennt jeweils eine konkrete Person statt nur eine Abteilung.

Haltet zusätzlich fest, wer bei Urlaub oder Krankheit übernimmt und welche Informationen diese Person benötigt. Die Vertretung braucht Zugriff auf den aktuellen Vorgang, aber nicht automatisch auf alle Bewerbungen des Unternehmens. Besprecht vor der Veröffentlichung, wer Nachrichten senden und wer Entscheidungen freigeben darf. Eine Software unterstützt die Zusammenarbeit; sie ersetzt diese Vereinbarung nicht.

Vor der Veröffentlichung eine gemeinsame Arbeitsgrundlage schaffen

Beschreibt die wichtigsten Aufgaben der Stelle und drei bis fünf tatsächlich notwendige Voraussetzungen. Ein Beispiel für den Kundenservice: verständlich auf Kundenanfragen antworten, Informationen zuverlässig dokumentieren und bei unklaren Anliegen gezielt nachfragen. Trennt notwendige Erfahrungen von Dingen, die ihr während der Einarbeitung vermitteln könnt. Der Ratgeber zur Stellenausschreibung hilft bei der Formulierung.

Legt fest, welche Unterlagen für die erste Sichtung ausreichen und wie eine Bewerbung eingeht. Prüft die Karriereseite auf dem Smartphone und sendet eine künstliche Testbewerbung. Findet das Büro die Unterlagen? Sieht der Fachbereich die richtige Stelle? Ist für Bewerbende klar, welches Unternehmen antwortet? Behebt diese Lücken, bevor ihr die Ausschreibung teilt.

Ein Wochenplan, der ins Tagesgeschäft passt

Ein möglicher Startpunkt: Das Büro prüft an jedem Arbeitstag kurz neue Eingänge und Antworten. Am Dienstag und Donnerstag reserviert der Fachbereich jeweils zwanzig Minuten für die Sichtung. Am Freitag besprechen Büro und Führungskraft fünfzehn Minuten lang offene Entscheidungen. Das sind bewusst gewählte Zeitfenster für dieses Beispiel, keine garantierten Bearbeitungszeiten. Bei vielen Bewerbungen müsst ihr mehr Kapazität einplanen.

Geht in der gemeinsamen Runde nur die Vorgänge durch, bei denen etwas entschieden oder geklärt werden muss. Vier Fragen reichen als Ausgangspunkt: Was liegt vor? Was fehlt? Wer handelt als Nächstes? Bis wann geben wir eine Rückmeldung? Ein Status wie „In Prüfung“ beantwortet diese Fragen allein noch nicht. Hinterlegt deshalb eine kurze interne Notiz zum nächsten Schritt und prüft zugesagte Termine.

Bewerbende auch bei Verzögerungen informieren

Verwendet eine Eingangsbestätigung, die Firma, Stelle und nächsten Schritt nennt. Versprecht nur einen Rückmeldetermin, den die zuständige Person wirklich übernehmen kann. Verzögert sich die Entscheidung, informiert kurz über den neuen Stand. Eine passende Grundlage bieten die E-Mail-Vorlagen für Bewerberkommunikation; ergänzt sie immer um den konkreten Vorgang.

Ein Gespräch braucht nicht zwingend ein Videokonferenzkonto. Entscheidet passend zur Aufgabe zwischen Telefon, Treffen vor Ort und Video. In die Einladung gehören Gesprächsziel, Dauer, Kontaktperson und die Informationen zur Teilnahme. Notiert anschließend konkrete Beispiele aus dem Gespräch. Wenn Unterlagen oder Angaben fehlen, fragt gezielt nach, statt daraus vorschnell fehlende Eignung abzuleiten.

Nach zwei Wochen den Ablauf prüfen

Öffnet gemeinsam eine neue Bewerbung, einen Vorgang mit Rückfrage und einen vereinbarten Termin. Kann die Vertretung den nächsten Schritt erklären, ohne im persönlichen Postfach einer anderen Person zu suchen? Prüft außerdem, ob zugesagte Rückmeldungen erfolgt sind und ob die vereinbarten Zeitfenster ausreichen. Ändert zuerst die Zuständigkeiten oder Arbeitsweise, bevor ihr weitere Pflichtfelder und Prozessstufen ergänzt.

Ein Bewerbermanagement für KMU kann Stellen, Unterlagen, Nachrichten und Gesprächsnotizen zusammenhalten. In Reclyra unterstützt die KI die Sichtung anhand eurer Stellenkriterien; euer Team prüft die Belege und entscheidet selbst. Für den Einstieg zählt ein vollständig funktionierender Ablauf mit einer Stelle. In einer persönlichen Demo könnt ihr diesen Ablauf für euren Betrieb besprechen.

Eure Checkliste

  • Pro Stelle sind Koordination, fachliche Prüfung und Entscheidung zugeordnet.
  • Vertretung und passende Zugriffsrechte sind geklärt.
  • Anforderungen und Bewerbungsweg wurden gemeinsam getestet.
  • Sichtungszeiten und realistische Rückmeldetermine sind vereinbart.
  • Jede aktive Bewerbung hat einen nächsten Schritt.
  • Nach zwei Wochen prüft das Team den Ablauf anhand konkreter Vorgänge.