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Recruiting-Ratgeber · 6 Minuten Lesezeit

Zweisprachige Stellenanzeigen: Deutsch und Englisch richtig pflegen

Eine englische Stellenanzeige braucht mehr als eine übersetzte Überschrift. So prüft ihr DE/EN-Versionen, vermeidet widersprüchliche Anforderungen und haltet beide Texte aktuell.

Von ReclyraAktualisiert am

1. Zuerst klären, wen die englische Version erreichen soll

Eine englische Ausschreibung kann Menschen ansprechen, die ihre beruflichen Informationen lieber auf Englisch lesen. Daraus folgt nicht automatisch, dass die Arbeit vollständig auf Englisch möglich ist. Klärt vor der Übersetzung, welche Sprachen im Team, im Kundenkontakt und bei der Dokumentation tatsächlich benötigt werden. Beide Sprachversionen sollten denselben Arbeitsalltag beschreiben.

Ein Beispiel: Ein IT-Team bespricht technische Themen auf Englisch, unterstützt aber deutschsprachige Mitarbeitende am Telefon. Dann erklärt die Anzeige diese beiden Situationen. Eine pauschale Formulierung wie ‚English-speaking role‘ würde andere Erwartungen wecken. Beschreibt erforderliche Sprachkenntnisse anhand der Aufgaben und verwendet Niveauangaben nur, wenn sie eure tatsächlichen Anforderungen sinnvoll ausdrücken.

2. Eine gemeinsame inhaltliche Grundlage festlegen

Bestimmt eine Ausgangsversion und eine Person, die Änderungen koordiniert. Haltet Titel, Hauptaufgaben, Muss-Kriterien, Arbeitsort, Arbeitszeit, Arbeitsmodell und Bewerbungsweg in einer kurzen Prüfliste fest. Diese Fakten müssen in beiden Sprachen übereinstimmen. So wird die Übersetzung nicht versehentlich zu einer zweiten Ausschreibung mit eigenen Bedingungen.

Erstellt zunächst eine vollständige, abgestimmte Stellenausschreibung als Ausgangstext. Wenn parallel jemand die deutschen Anforderungen ändert und jemand anderes den englischen Entwurf bearbeitet, ist der gemeinsame Stand schnell unklar. Notiert deshalb bei der Prüfung, auf welche Textfassung sich die Übersetzung bezieht und welche Änderungen vor der Veröffentlichung noch übernommen werden müssen.

3. Fachbegriffe übersetzen, ohne Aufgaben umzudeuten

Nicht jeder deutsche Titel hat eine eindeutige englische Entsprechung. ‚Sachbearbeitung‘ kann je nach Aufgabe ganz unterschiedliche Rollen bezeichnen. Wählt einen verständlichen Titel und erklärt den Schwerpunkt direkt im Text. Produktnamen und etablierte Fachbegriffe können bestehen bleiben; interne Kürzel brauchen in beiden Sprachen eine Erklärung.

Prüfbeispiel: Aus ‚Du koordinierst Anfragen mit unserem Vertrieb‘ sollte nicht ‚You lead our sales team‘ werden. Das zweite verspricht Führungsverantwortung, die im Ausgangstext fehlt. Auch ‚mobiles Arbeiten nach Absprache‘ bedeutet nicht automatisch ‚fully remote‘. Achtet besonders auf Verantwortung, Präsenzpflichten, Vertragsumfang und Leistungen. Eine flüssige Übersetzung kann in diesen Punkten trotzdem inhaltlich falsch sein.

4. Manuelle Übersetzung oder KI-Entwurf bewusst prüfen

Eine manuelle Übersetzung ist sinnvoll, wenn jemand im Team beide Sprachen und die konkrete Aufgabe gut kennt. Eine zweite Person kann anschließend Fakten und Verständlichkeit gegenlesen. Für kleinere Änderungen reicht oft eine gezielte Überarbeitung der betroffenen Absätze. Auch dann solltet ihr prüfen, ob der übrige Text noch zum neuen Inhalt passt.

Die Stellenverwaltung in Reclyra ermöglicht die manuelle Pflege der zweiten Sprachversion. Ab Growth steht außerdem eine KI-Übersetzung als Vorschlag bereit. Der Vorschlag wird zunächst zur Prüfung angezeigt und erst nach eurer Annahme in den Entwurf übernommen. Lest ihn vor dem Speichern vollständig: Die Übersetzung darf keine zusätzlichen Anforderungen erfinden, Bedingungen verbessern oder notwendige Einschränkungen weglassen.

5. Mit einer kurzen DE/EN-Prüfmatrix freigeben

Legt für die Freigabe vier Spalten an: Aussage, deutsche Fassung, englische Fassung und Prüfung. Beispiel: Arbeitsort – ‚Karlsruhe, zwei Tage pro Woche vor Ort‘ – ‚Karlsruhe, on site two days a week‘ – stimmt überein. Nächste Zeile: Erfahrung – ‚erste Erfahrung willkommen‘ – ‚three years required‘ – korrigieren. Die Tabelle konzentriert sich auf Bedeutungsunterschiede, nicht auf identische Satzlängen.

Prüft danach aus Sicht der Bewerbenden: Ist klar, welche Sprache im Gespräch verwendet wird? In welcher Sprache können Unterlagen eingereicht werden? Wer beantwortet englische Rückfragen? Nennt nur Möglichkeiten, die euer Team wirklich anbieten kann. Eine englische Anzeige wirkt wenig einladend, wenn diese praktischen Fragen erst nach der Bewerbung überraschend geklärt werden.

6. Den gesamten öffentlichen Bewerbungsweg durchgehen

Öffnet nach der Veröffentlichung die Karriereseite und die konkrete Stelle in beiden Sprachen. Kontrolliert Überschrift, Beschreibung, Firmenvorstellung, Schaltflächen und das Bewerbungsformular. Ein Sprachwechsel der Oberfläche ersetzt keine Übersetzung eurer eigenen Unternehmenstexte. Prüft daher auch diese Inhalte separat, besonders wenn sie oberhalb oder unterhalb der Stellenanzeige erscheinen.

Testet außerdem den Link, den ihr auf eurer Website oder in einem Netzwerk teilt. Führt er zur gewünschten Sprachversion? Bleibt die Stellenbezeichnung nach dem Öffnen der Bewerbung verständlich? Falls ihr eine Stellenliste einbettet, prüft auch deren Sprache und die Zielseite. Eine korrekte Anzeige allein behebt keinen Bruch im nachfolgenden Bewerbungsweg.

7. Änderungen immer für beide Sprachen abschließen

Macht die zweite Sprachfassung zu einem festen Punkt jeder Stellenänderung. Neue Aufgaben, andere Präsenzregeln oder ein geänderter Bewerbungsweg betreffen beide Texte. Eine einfache interne Notiz reicht: Änderung, betroffene Absätze, verantwortliche Person und Prüfung abgeschlossen. So ist sichtbar, ob nur der Ausgangstext oder auch die Übersetzung aktualisiert wurde.

Wenn eine Fassung noch nicht geprüft ist, veröffentlicht sie nicht als vermeintlich aktuellen Stand. Klärt die Abweichung zuerst und kontrolliert anschließend die öffentlichen Seiten erneut. Ziel ist keine wortwörtliche Gleichheit: Beide Texte sollen dieselbe Stelle ehrlich und verständlich erklären. Gute zweisprachige Pflege macht dafür die Verantwortung und die letzte Inhaltsprüfung nachvollziehbar.

Eure Checkliste

  • Tatsächliche Arbeitssprachen und Anforderungen sind erklärt.
  • Beide Fassungen beschreiben dieselben Aufgaben und Bedingungen.
  • Fachbegriffe und Verantwortung sind korrekt übertragen.
  • Ein KI-Vorschlag wurde vor der Übernahme vollständig geprüft.
  • Firmentexte und Bewerbungsweg wurden in DE und EN kontrolliert.
  • Für spätere Änderungen ist eine verantwortliche Person benannt.